Eine KĂŒnstlerin auf ihrem Weg: Monika Sebert

Entdeckungen

Schon seit langen Jahren kennen wir uns. Wir freuen uns, wenn wir uns sehen und haben immer viel auszutauschen und zu berichten. Der Spaß kommt auch nie zu kurz. Man kennt die Werke der anderen, wenn auch nicht in aller AusfĂŒhrlichkeit. Und dann entdeckt man durch einen gar nicht so geplanten, intensiven und sehr offenen Austausch neue Seiten. Und diese Seiten sind so interessant, daß ich Monika heute vorstellen möchte, besser gesagt, sie stellt sich selbst vor:

Kreatives Arbeiten mit textilem Material und die AusprĂ€gung kĂŒnstlerischer FĂ€higkeiten ist durch mein Elternhaus als SelbstverstĂ€ndlichkeit in mein Leben getreten. Eine Ausbildung allerdings, die in Richtung Kunst hĂ€tte gehen können, ist zur damaligen Zeit als wenig zukunftsweisend fĂŒr mich und meine Geschwister ausgeschlossen worden.

Es gab also nur den autodidaktischen Weg!

Schon wĂ€hrend des naturwissenschaftlichen Studiums der Mineralogie mussten Zeichnungen von Gesteinen bzw. deren Mineralbestandteilen gemacht werden, um den Blick durchs Mikroskop im GedĂ€chtnis festzuhalten. Besonders hervorzuheben ist der Anreiz fĂŒr abstrakte Abbildungen, der durch das Mikroskopieren sehr gefördert wurde.

Nach der Zeit des Studiums und parallel zur Familienzeit, hatte ich das GlĂŒck mit anderen Frauen zusammenzutreffen, deren kreative Leidenschaft sich mit meiner deckte.

Eigene LehrtĂ€tigkeiten fĂŒr textile Gestaltung von 1997 bis 2015 brachten sehr viel technische Erfahrung mit neuen Materialien, als Basis fĂŒr eine autodidaktische Weiterentwicklung. Viele LehrgĂ€nge und Begegnungen, aber vor allem mit Pascale Goldenberg und Workshops bei Jan Beaney und Jean Littlejohn, zeigten mir kĂŒnstlerische Positionen, deren Einfluss bis heute nicht versiegt.

Vor 2 Jahren habe ich meine zeichnerischen FÀhigkeiten in Kursen bei einem Bildhauer wiederentdeckt und weiter vertieft. Eine zusÀtzliche Möglichkeit sich einem Thema anzunÀhern.

Aktzeichnung

Ein weiterer Nebenschauplatz ist das Arbeiten mit Wachs. Es lĂ€sst Ă€hnlich haptisch wie Stoff, sehr viel 2- und 3- dimensionale Gestaltungsmöglich-keiten zu und ist fĂŒr mich vielleicht in naher Zukunft auch mit textilem Material kombinierbar.

Erusion 24 x 24 cm

Schwerpunkte sind nie unumstĂ¶ĂŸlich und verĂ€ndern sich immer wieder. Die letzten 5 Jahre waren zu Beginn dem Thema „Marathon“ gewidmet.

Marathon 1 103 x 328 cm

Alles was eine „Langzeitgeschichte“ hat und von VerĂ€nderungen (Erosion), Dauer, Strapazen, Ausdauer und Spuren unvorstellbar großer Zeiteinheiten zeugen, standen im Mittelpunkt.

Daraus entwickelte sich die BeschĂ€ftigung mit PortrĂ€ts sehr alter Menschen, die individuelle Ausdrucksform der Seele des Menschen, die besonders am Ende eines langen Lebens charakteristische Linien zeigt. Sie sind geprĂ€gt von der eigenen Emotion bzw. der stĂ€ndig wiederholten Mimik. Der graphische Charakter dieser Linien ist in der Serie „Emotions“ festgehalten.

Marathon 2 180 x 180 cm
Bild aus der Serie emotions 50 x 50 cm

Schließlich liegt eine eher abstrakte Form emotionaler Linien in meinem jetzigen Fokus. Abstrakte Bilder, Fotos und auch Alltagsbegegnungen sind Inspirationen, die zunĂ€chst in Skizzen oder kleineren Arbeiten Ausdruck finden.

Beziehungen Skizze
Beziehungen Skizze
Beziehungen textil 30 x 30 cm
Lost impulses 130 x 85 cm

Die Reduktion auf „Schwarzweiss“ hilft dabei den Fokus ganz auf den Ausdruck zu reduzieren.

Ein weiterer Aspekt fĂŒr den eigenen Weg ist die Resonanz auf die PrĂ€sentation der eigenen Arbeiten.

Durch den Beitritt in eine kleine KĂŒnstlergruppe haben sich die Anforderungen dafĂŒr erheblich geĂ€ndert. Nach vielen Beteiligungen an textilen Wettbewerben und Ausstellungen in der Vergangenheit, suche ich nun den Anschluss in einem breiteren kĂŒnstlerischen Umfeld. Es ist sehr spannend, etwas von KĂŒnstlern zu erfahren und dabei die EinschĂ€tzung fĂŒr meine eigene Arbeit besser zu verstehen. Ein ganz erheblicher Einfluss, der sich in meinen neuen 3 dimensionalen textilen Skulpturen zeigt.

textiles Objekt 20 x 45 x 7 cm
textiles Objekt 25 x 29 x 7 cm

Schon immer war es fĂŒr mich essentiell meine experimentelle Freude am Prozess zu entfalten und sich von eigenen Entdeckungen leiten zu lassen. Das Lernen auf dem Weg ist ein wesentlicher Aspekt, der niemals aufhört und mich immer wieder staunen bringt.

Ein Zitat von Miles Davis zum Thema „Improvisation“ trifft es:

„Spiele als ob du es nie gelernt hĂ€ttest“. Man muss vieles lernen, um es wieder abzulegen, damit man seine eigene Stimme finden kann.