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Gedanken zur Kunst
Eine Auseinandersetzung mit der Zukunft liegt mir sehr am Herzen. Darum sei an dieser Stelle erneut nachgedacht und notiert. Vielleicht wiederhole ich mich. Es zeigt aber auch, wie wichtig mir das Thema ist.

In den¬† letzten Monaten, besonders aber in den letzten Wochen haben sich viele Menschen Gedanken √ľber die Kunst und die K√ľnstler gemacht, z.B. wie es im Kulturbereich weitergehen soll. Ich selbst stelle mir nicht erst seit diesem Jahr die Frage auf Grund der gesellschaftlichen und globalen Ver√§nderungen, ob ich nicht grunds√§tzlich etwas anders machen muss, ob meine Arbeit einen Wert auch f√ľr andere und nicht nur f√ľr mich ganz pers√∂nlich hat, wie in die Zukunft zu schauen ist und wo man sich engagieren sollte.

Diese und andere Fragen k√∂nnen nicht einfach so mal eben neben dem allt√§glichen Tun beantwortet werden. Wir stehen alle in einem Ver√§nderungsproze√ü, dessen Entwicklung nicht abzusehen ist. Wir haben keine Antworten parat. Und auch K√ľnstler sind ganz normale Menschen, die nicht f√ľr alles eine L√∂sung haben. Aber das wird immer mehr gefordert. Wo die Politik und die Gesellschaft nicht mehr weiter wei√ü, soll die Kunst einspringen. Wir als K√ľnstler sollen Utopien entwickeln, M√∂glichkeiten aufzeigen, weiter denken. Ist das nicht ein bischen viel verlangt?

Ich möchte an dieser Stelle aus der Kunstzeitung zitieren, die Anfang der Woche auf meinem Arbeitstisch landete.

Karl-Heinz Schmidt, Herausgeber der Zeitung schreibt auf Seite 5, Mai, Juni 2020 auszugsweise:

„… stellt sich die Frage, was K√ľnstler heute noch tun k√∂nnen. Mehr noch: Ob sie √ľberhaupt etwas beisteuern k√∂nnen. Ist es nicht so, da√ü die Politik, global betrachtet, die freien Denk- und Handlungsr√§ume einschr√§nkt? Kann im Atelier etwas Wirkm√§chtiges entstehen, wenn drau√üen das Feuer prasselt, das Virus kursiert oder Trump, ungeheuer mies, die Landmienen freigibt, w√§hrend Fl√ľchtlinge zwischen Afrika und Europa um ihr Leben schwimmen? M√ľssen sich K√ľnstler in diesen Zeiten nicht ohnm√§chtig f√ľhlen? K√∂nnen sie, aus sich selbst, so viel Energie freisetzen, um in einem turbulenten, d√ľster startenden Jahrtausend einen Beitrag zur Entwicklung der Kultur und der Menschheit zu leisten? Ist nicht jeder Versuch schon zum Scheitern verurteil? Wie damit umgehen, wie sich aus der Hoffnungslosigkeit befreien, wie Muster f√ľr die Welt von morgen gestalten? Viele Fragen. Aber eine Aufgabe, die wahrscheinlich nur K√ľnstler leisten k√∂nnen. Denn die Politiker versagen kl√§glich, wohin wir schauen.“

K√∂nnen wir das als K√ľnstler wirklich leisten? Viele von uns sind es gewohnt, mit minimalen Mitteln ein Maximum zu ereichen. Wir leben, bewu√üt gew√§hlt oder gezwungenerma√üen, immer am Limit. Die Grundrente, die kommen soll, wird uns wahrscheinlich nicht im Alter helfen, da wir m√∂glicherweise in den 30 oder 40 Jahren, die wir selbst√§ndig waren, zu wenig!!!! Geld verdient haben, um sie beziehen zu k√∂nnen. Wir werden im Alter weiter nach M√∂glichkeiten suchen m√ľssen, Geld zu verdienen, um nicht dem Staat auf der Tasche zu liegen, wenn wir verantwortlich handeln wollen. Wo bleibt da die Zeit, Utopien zu entwickeln? …

Ich könnte hier noch lange fortfahren, aber es liegt mir nicht, mich zu beschweren, nur das Schlechte zu sehen, nicht weiter zu denken.

Ich werde meine Kunst machen, weil ich wei√ü, da√ü ich damit f√ľr einen Augenblick einigen Menschen etwas Positives mit auf den Weg geben kann. Ich werde weiter publizieren, weil ich denke, dass insbesondere das Textile immer zu unserem menschlichen Dasein geh√∂rt hat und auch in Zukunft geh√∂ren wird. Das eigene Gestalten kann uns bereichern, erfreuen und Selbstbewu√ütsein geben. Darum werde ich auch weiter an einer Vermittlung von F√§higkeiten und Fertigkeiten durch meine Workshops arbeiten. Ich sehe mich als ein Faden in einem gro√üen Gewebe. Jeder Faden spielt eine tragende Rolle. Rei√üt einer, kann das Auswirkungen auf den gesamten Stoff haben.