Urte Hanke stellt sich vor

Ausstellungen

Urte Hanke ist eine weitere Preisträgerin der 7. Europäischen Quilttriennale. Sie erhielt zum zweiten Mal den Preis für Innovation im großen Format. Dazu die Jury:

Von kunstvoller Komplexität zu klingender Simplizität. Urte Hanke wurde einstimmig abermals ausgezeichnet für ihre beständige Hingabe an das Quilten, während sie neue Wege entwickelt, um die Grenzen des Quilts zu einem dynamischen Format hin zu durchbrechen. (Katalog der Ausstellung, Seite 17)

Als ich zum ersten Mal einen Quilt von ihr gesehen habe, war ich fasziniert und begeistert zugleich. Um so mehr freue ich mich an dieser Stelle die Künstlerin vorstellen zu dürfen. Tauchen Sie mit ein in eine überzeugende Werkschau. Und erfahren Sie hier mehr zu den Hintergründen von der Künstlerin persönlich:

„Eine Ausbildung fĂĽr meine kĂĽnstlerische Arbeit habe ich nicht gemacht, ich bin gelernte Buchhändlerin. Ich wuchs in der DDR auf, umgeben von Frauen meiner Familie, die nähten, stickten, häkelten und strickten. Ich konnte in frĂĽhester Kindheit den Umgang mit Textilien lernen und habe die Freude am kreativen Prozess schon damals umfassend erfahren.

Kunst in jeglicher Form ist fĂĽr mich eine der wichtigsten menschlichenAusdrucksformen und begleitet mich intensiv seit ich denken kann. Mit der Zeit wuchs in mir das starke BedĂĽrfnis, mich selbst kĂĽnstlerisch auszudrĂĽcken und es entwickelten sich konkrete Vorstellungen darĂĽber, was ich ausdrĂĽcken wollte.

Irgendwann kam die Suche nach dem Medium und den geeigneten Techniken. Eine Affinität zu Textilien spürte ich schon immer. So kann ich mich an fast alle textilen Arbeiten, die mir in Ausstellungen in meiner Kindheit und Jugend begegnet sind, bis heute erinnern. Deshalb lag es nahe, dass ich vor ca 15 Jahren begann, mit Stoffen zu experimentieren. Einige Jahre habe ich sehr viel ausprobiert und Stück für Stück gewann für mich das intensive Maschinenquilten immer mehr an Bedeutung.

Inzwischen arbeite ich hauptsächlich mit Textilien, experimentiere aber auch mit anderen Materialien, die sich irgendwann vielleicht in meinen zukünftigen Arbeiten zeigen werden. Oft arbeite ich auf dunklem Hintergrund, fast immer mit ganzen Stoffstücken. Mit gequilteten Linien entwickle ich die Formen, mit Acrylfarbe oder Ölfarbe überlagere ich sie, dabei werden die klaren Formen sogar manchmal zerstört und es werden komplexe Räume und Strukturen sichtbar.
Der Arbeitsprozess beinhaltet sowohl langwierige Phasen mit fast meditativem Charakter als auch sehr spontane und schnelle, diese sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen sind mir gleichermaßen wichtig. Ich arbeite in Serien und erschließe mir damit möglichst viele Aspekte einer Thematik.

Inhaltlich steht für mich die Suche nach Abstraktionen zu alten und gleichzeitig hochaktuellen Fragen im Vordergrund: Sinn und Hintergrund von Leben, Tod und Auflösung, Aufbau und Verfall, Zeit und Raum. 
Dabei beschäftigen mich besonders Strukturen, die in natürlichen Vorgängen überall sichtbar werden, sich in Prozessen menschlicher Gesellschaften zeigen, die sich dem beobachtenden Individuum im Großen wie im Kleinen zeigen und die immer wieder ähnlich sind. Aspekte dieser Themen und auch meine Empfindungen dazu möchte ich visuell und emotional erlebbar machen. Inspiration kann ich eigentlich überall finden, manchmal ist ein flüchtiger Moment, ein Gedanke oder ein Gefühl der Impuls für eine Arbeit. Manchmal führt ein längerer Prozess der Auseinandersetzung mit einer Thematik zu einem oder mehreren Werken.

Die Beschäftigung mit Kunst jeglicher Form, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Themen ist ein selbstverständlicher Teil dieses Prozesses. Kontinuität entsteht in meiner Arbeit wesentlich, indem ich mich auf die Fragen, die sich mir aufdrängen und mich als Individuum umtreiben, konzentriere. In der Auseinandersetzung mit meiner Umwelt und auch mir selbst und meiner Arbeit entstehen eigene Positionen. Der „Zeitgeist“ tritt für mich dadurch in den Hintergrund.

Gesellschaftliche Vorbehalte gegenüber textiler Kunst sind auch für mich ein Thema, das mich beschäftigt, aber ich möchte sie nicht stärken, indem ich sie akzeptiere. Eine leichte Öffnung für textile Kunst ist jedoch erfreulicherweise zu spüren. Alle Künstlerinnen und Künstler, die Textilien in ihren Arbeiten verwenden, tragen dazu bei, textiler Kunst Raum zu geben und fordern Akzeptanz durch die Gesellschaft ein. Gleichzeitig vertraue ich hier auf die Stärke textiler Arbeiten und besonders die Kraft der Frauen in diesem andauernden Durchsetzungsprozess.

In meiner Arbeit „Linear“ beschäftige ich mich mit dem Ausreizen und Erforschen linearer Strukturen, mit deren Möglichkeiten und VerkĂĽrzungen. Durch die konzeptionelle Beschränkung auf das Lineare versuche ich Komplexität in der Einfachheit der Struktur zu finden. Ich suche hier Inhalt und Tiefe durch Reduktion und es geht mir auch um die Erfahrung der Leere und der Stille. Mit dieser Arbeit stehe ich am Anfang einer Serie, die mir besonders wichtig ist, tangiert doch der Verzicht auf FĂĽlle und der Versuch der Reduzierung auch wichtige Fragen der menschlichen Gesellschaft als auch des Menschen als Einzelindividuum.“

 

Struktur und Raum 3, 2013, 149 x170 cm

Struktur und Raum 4, 2014, 180 x 180 cm, Ausschnitt

Miniatur 10, 2014, 44 x 22 cm

Fragment 5, 2014, 46 x 34 cm

Fragment 6, 2014, 34 x 32 cm

Fragment 11, 2015, 45 x 37 cm

Fargment 13, 2016, 19 x 48 cm

Struktur Blau 3, 2016, 198 x 61,5 cm, Detail

Fragment 14, 2016, 45 x 18 cm

Fragment 15, 2017, 26 x 10 cm

Fragment 16, 2017, 18 x 34 cm

Fragment 17, 2017, 18,5 x 11 cm

Fragment 18, 2017, 12 x 35 cm

Linie 4, 2017, 41 x 45 cm

Linear 5, 2017, 68 x 67 cm

Linear 5, Detail

Linear, 2017, 196 x 177 cm,  ausgezeichnetes Werk, Europäische Quilttriennale 2018

Struktur und Raum 6, 2017, 90 x 126 cm

Struktur und Raum 7, 2017, 46 x 49 cm

Struktur Blau, 2017, 176,5 x 185 cm

Struktur Blau 7, 2018, 105 x 106 cm

Struktur Blau 10, 2018, 94 x 140 cm

Struktur Blau 10, Detail

Meinen herzlichen GlĂĽckwunsch an die KĂĽnstlerin!

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Aktuelle Nachricht

Ich möchte noch auf folgende Veröffentlichung bekannt machen. Zum Afghanistan-Projekt von Pascale Goldenberg „Keep Your eye on the Planet“, dessen Ergebnisse nun zum ersten Mal im ElsaĂź zu sehen waren, ist ein Buch im Maroverlag erschienen. Es ist ein wunderbares Buch, um es sich selbst zu schenken, fĂĽr eine liebe Freundin oder andere dem Land und dem Projekt zugetane Menschen.
Das in Deutsch, Englisch und Französisch dreisprachig gestaltete Galerie-Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden. Ab dem 15. September sollte es auch in allen Buchhandlungen erhältlich sein; ISBN 978-3-87512-555-9
Schauen Sie hier

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