Noch eine Zusage!

Ausstellungen, Im Atelier, meine Werke



Am vergangenen Samstag ist die Zusage gekommen. Ich bin mit einem Werk bei der 8. Quilttriennale in Heidelberg angenommen worden. Das freut mich sehr.

Da ich mich erst informieren muss, ob vor Beginn der Ausstellung bereits Bilder veröffentlicht werden dĂŒrfen, zeige ich Ihnen eine Reihe von Details, die aber nichts von der gesamten Arbeit verraten.








Hier sehen Sie meinen flexiblen Arbeitsplatz. Auf einer großen Pappe habe ich die Materialien und Garne arrangiert, die ich zum Sticken und Quilten brauchte. Diese Platte konnte ich bei Bedarf wegrĂ€umen. Da die gesamte FlĂ€che in Handarbeit ausgearbeitet wurde, war es sinnvoll, so flexibel zu sein, denn es hat einige Monate gedauert bis zur Fertigstellung.

Ausgangspunkt war ein zerschlissener Hanfstoff, eine ehemalige Übergardine von uns. Sie war die InitialzĂŒndung. Hinzu kamen Baumwoll- und Leinenstoffe. Mit Vorstich und Spannstich habe ich die gesamte Arbeit ausgearbeitet.








Perlenelemente, die ich vor vielen Jahren gearbeitet hatte, fanden hier endlich ihren angemessenen Platz. Diese Elemente selbst haben eine lange Geschichte. Bereits in den 90iger Jahren, da war ich noch Mitglied einer Quiltgruppe, die sich regelmĂ€ĂŸig jeden Dienstag traf, habe ich an eben diesem Tag einen Teelöffel schwarzer Rocailles mit schwarzem Garn zu freien Formen gearbeitet. Es hat genau einen Tag gedauert, um ein Element herzustellen. Dann hatte ich die fertigen Elemente, 52 an der Zahl, lange Zeit in einer Schachtel liegen.

In einem nĂ€chsten Schritt habe ich sie auf einen Quilt appliziert. Es sollten so alte Zeichen illustriert werden. Die Aussage wurde deutlich, aber die Sache gefiehl mir nicht. Ich habe sie kurzer Hand zerschnitten. Nun hatte ich Perlenelemente, die auf einem Quiltfragment appliziert waren. Ich habe sie einzeln ĂŒberstickt, die RĂ€nder von Hand versĂ€ubert und wieder weggelegt.

Es dauerte erst wieder eine lange Zeit, bis ich sie erneut hervorgeholt habe. Ich gab mir eine Ruck und habe sie alle mit Acrylfarbe ĂŒbermalt. Ja, so gefielen sie mir besser. Ich hatte allerdings die Vorstellung alle 52 in einer Arbeit zu verwenden. Erst als ich davon losgekommen bin, haben sich mir neue Möglichkeiten der Verabeitung gezeigt. Und dann haben sie einen wunderbaren Platz auf diesem Quilt gefunden.


















Auf allen Bildern sehen Sie deutlich die intensive Stickerei und auch die Quiltlinien. Es sollte dadurch etwas Magisches entstehen.

In der Mitte findet sich dieser gestickte Kreis aus Baumwollstoff, Baumwollfasern, Knöpfen, Naturperlen und Samen.









Wie dieses alles zu einer Einheit zusammengewachsen ist, werde ich Ihnen zu einem anderen Zeitpunkt an dieser Stelle zeigen. Den Titel kann ich Ihnen aber verraten: OROGHAME. Die Arbeit ist 185 hoch und 106cm breit.


In diesen Ausnahmezeiten haben sich nahezu alle Teilnehmerinnen mit ungeheurer KreativitĂ€t und Herzblut dem Wettbewerb gestellt. Eine deutliche QualitĂ€tssteigerung und mehr Tiefgang sind im Vergleich zu frĂŒheren Triennale-Bewerbungen festzustellen, aber auch das Anliegen, Hoffnung und Lebensfreude mit den Objekten zu vermitteln. 40% der Berwerberinnen haben einen professionellen kĂŒnstlerischen Background; auch diese deutliche Steigerung mag dem Corona-Lockdown und der daraus resultierenden Situation der Kulturschaffenden geschuldet sein.

Textilsammlung Max Berck, Dr. Kristine Scherer



Interessant fand ich diesen Text, der der Zusage beigegeben war. Ich finde es sehr spannend und ermutigend, daß in diesen schwierigen Zeiten neue KrĂ€fte und Aussagen mobilisiert werden können. Lassen wir uns ĂŒberraschen, was in dieser Ausstellung zu sehen sein wird.


Am 10.10.2021 wird sie in Heidelberg eröffnet. Sie lÀuft bis zum 16.1.2021. Dann wandert sie nach Zons und nach St. Gallen.




Bis zu diesem Zeitpunkt geht noch viel Zeit ins Land. Da ist doch immer wieder interessant, was Gudrun Heinz auf ihrem Blog ĂŒber virtuelle und andere Ausstellungen zu berichten hat. Ich habe mit großem Interesse ihre Berichte gelesen. Besonders fasziniert haben mich die KĂŒnstlerinnen, die ihren ganz eigenen Weg konsequent gegangen sind oder gehen, als da wĂ€ren Sophie TĂ€uber-Arp, Phyllida Barlow, Yayoi Kusama und Helle Jongerius.

Die Arbeiten von Phillida Barlow – Small worlds, die wĂ€hrend der Pandemie entstanden sind, haben mich besonders fasziniert. Ein Rundgang durch diese Ausstellung ist möglich. Gudrun Heinz hat einen Link dorthin gesetzt. Lassen Sie sich einfach mal drauf ein, lassen Sie die Objekte auf sich wirken, urteilen Sie nach Gefallen und nicht Gefallen, ĂŒberdenken Sie Ihre Reaktion, schauen Sie erneut hin. Es ist ein wundersamer Kosmos, der sich da auftut. Ich werde in einem der nĂ€chsten Blogs ĂŒber eine kleine Serie berichten, die bei mir wĂ€hrend der Pandemie entstanden ist. Wenn Sie wollen, können Sie die kleinen Objekte bereits jetzt in meiner Galerie anschauen.

Ich bin auf der Seite noch ein wenig weiter spazieren gegangen und ich habe einen Maler entdeckt, der mich mit seinen Arbeiten beeindruckt hat: Jack Whitten. Die Objekte oder Bilder oder Skulpturen erinnern ein wenig an Patchwork, an Mixed Media Prozeße, an besondere FĂ€rbevorgĂ€nge. Die mĂŒĂŸte man wirklich einmal live sehen.

Hella Jongerius ist fĂŒr mich auch eine Neuentdeckung. Es braucht Zeit und Muße, um nicht nur viele Facetten ihres Könnens kennenzulernen, sondern auch um sich mit ihrer Philosphie auseinanderzusetzen. Ich denke, es lohnt sich.

Dies ist nur eine kleine Auswahl aus der FĂŒlle von hochinteressanten Berichten speziell zu Frauenthemen.

Die Extraempfehlung ganz zum Schluß kann ich nur unterstĂŒtzen. Wer Hannah Arendt noch nicht kennt oder bisher noch keine Biografie ĂŒber sie gelesen hat, sollte es unbedingt tun. Eine Freidenkerin wie viele bekannte und unbekannte KĂŒnstlerinnen und Autorinnen. Sie und viele andere haben ĂŒber den Tellerrand hinausgeschaut, sich von Tendenzen, Moden und MĂ€rkten nicht beeinflußen lassen und uns ein Beispiel gegeben, wie Frau in der Gesellschaft einen unabhĂ€ngigen Standpunkt einnehmen kann. Dieser Blick in die Vergangenheit ist ein guter Impuls fĂŒr die Zukunft.



Ein bischen Leichtigkeit dann noch zum Ende diesen Blogs:





Ein kleines FlĂ€schchen zu Nachzeichnen. Viel Spaß!