Stickwort der Woche

"Stickwort der Woche"


Meine Stiche haben eine wunderbare Rechenmaschine entwickelt. Sieht alles in allem aber doch recht altert├╝mlich und viel zu gro├č aus. Na ja!






Und wie geht es weiter? Die Stiche rechnen weiter!





Bis bald!

Eine fr├╝he Pr├Ągung und ein tolles Buch

Entdeckungen



Als kleines Kind mit 5 – 6 Jahren und sp├Ąter noch einmal mit 13 und 15 Jahren habe ich Urlaub bei einer Tante und einem Onkel am Niederrhein gemacht. Das war immer eine besondere Zeit f├╝r mich, denn es war eine ganz andere Welt als die, in der ich gro├č wurde.

Tante und Onkel waren Lehrer. Sie hatten eine gro├če Wohnung, sp├Ąter auch ein Haus, wo die gr├Â├čer werdende Famlie genug Platz hatte. Als ich das erste Mal f├╝r eine l├Ąngere Zeit dort zu Besuch war, konnte ich vieles entdecken, was mir v├Âllig unbekannt war. D├Ąnische M├Âbel standen im Mittelpunkt,  waren Anfang der sechziger Jahre etwas ganz Besonderes: hell, leicht, freundlich, luftig. Geschirr, Raum- und Wohntextilien, Besteck, alles war ebenfalls darauf abgestimmt, Druckgrafik, Malerei und Zeichnungen an der Wand, Vasen, Glasobjekte, kleine Skulpturen in den Regalen und auf demSideboard. B├╝cher, B├╝cher, B├╝cher, Kunstb├Ąnde zum Anschauen, Bestaunen. Es hat mich absolut begeistert.

Etwas ganz besonderes waren die Schmuckst├╝cke, die meine Tante regelm├Ą├čig von meinem Onkel geschenkt bekam. Es waren fast immer Ring, Armband und Kette. Sie wurden von einem Goldschmied nach Wunsch angefertigt und waren sehr au├čergew├Âhnlich. Ich stand immer wieder staunend davor. Da kam im Laufe der sechs gemeinsamer Jahrzehnte eine stattliche Anzahl zusammen. Es w├Ąre eine tolle Sache, diese Schmuckst├╝cke zu sichten und in einen Zusammenhang mit der Schmuckentwicklung der jeweiligen Zeit zu setzen. Soll ich Ihnen was sagen? Man hat einfach zu wenig Zeit f├╝r all die Dinge, die interessant sein k├Ânnen.

Nun, wie dem auch sei, der R├╝ckblick in meine fr├╝hen Jahre ist durch einen Beitrag von Gudrun Heinz initiiert worden. In ihren neuesten Ausstellungstipps stellt sie eine Pr├Ąsentation vor, die sich mit d├Ąnischem Schmuckdesign befasst: Danish Jewellery Box – Zeitgen├Âssisches Schmuckdesign. Es ist ein R├╝ckblick auf 50 Jahre. 200 Schmuckst├╝cke werden gezeigt, zus├Ątzlich wird Schmuck aus der Sammlung des Museums f├╝r Angewandte Kunst K├Âln erg├Ąnzend mit ausgestellt. Das w├Ąre eine kleine Reise wert, wenn es denn wieder m├Âglich ist…

Und damit komme ich zu einem weiteren Thema, da├č wieder in mein Ged├Ąchtnis gerufen wurde. Wie steht es eigentlich mit SammlerInnen von gutem Kunsthandwerk, wie pr├Ąsentieren sie die Werke? Tja und da schlie├čt sich die Runde zu einem Beitrag am 25.2.2021, in dem ich ein Buch erw├Ąhne, in dem es um ein Sammlerehepaar geht. Und dar├╝ber m├Âchte ich nun ausf├╝hrlicher berichten.



The Grotta Home by Richard Meyer – a marriage of Architcture and Craft

Das Buch selbst ist schon ein Hingucker. In der Gr├Â├če von 28 x 31 cm und mit 337 Seiten ist es nicht zu ├╝bersehen. Der Titel selbst macht neugierig auf den Inhalt. Was steckt hier drin?






Es handelt sich bei dieser Ver├Âffentlichung um die Pr├Ąsentation einer Sammlung von zeitgen├Âssischem Kunsthandwerk in seiner besten Form, gesammelt von dem Ehepaar Sally und Lou Grotta.



The Grotta Home by Richard Meier
A Marriage of Architecture and Craft



Die Sammlung alleine ist schon phantastisch, was aber passiert, wenn f├╝r diese Sammlung ein Haus gebaut wird, und zwar von dem renommierten Architekten Richard Meier, macht fast sprachlos.



The Grotta Home by Richard Meier
A Marriage of Architecture and Craft



Gehen wir der Reihe nach. Das amerikanische Ehepaar Grotta hat sich 1953 kennen und lieben gelernt. Zu Beginn der sechziger Jahre sehen sie durch Zufall eine Ausstellung modernen Kunsthandwerks. Es ist – auch – Liebe auf den ersten Blick. Das Ehepaar kauft erste Holzobjekte. Durch den Kontakt mit den K├╝nstlern entstehen neue, interessante Begegnungen mit weiteren herausragenden K├╝nstlern in dieser Zeit.


Sandy Grotta wird dazu animiert sich mit Innenarchitektur und Interior Design intensiver zu besch├Ąftigen. Ihre Berufswahl ist entschieden. Sie wird in Zukunft H├Ąuser, das eigene Haus und sich selbst schm├╝cken, so  beschreibt es ein Freund der Familie. Mit dem Start als Innenarchitektin wird sie ihr Haus von Grund auf ├Ąndern. Die Farbe Wei├č wird dominant, damit die gesammelten Werke ihren unnachahmlichen Auftritt bekommen. Im Laufe der Zeit kommt eine stattliche Sammlung aus den Bereichen Keramik, Flechtkunst, Holz, Textil, M├Âbel, Glas und Schmuck zusammen.
Sandy reist auch nach Europa, wo sie das skandinavische Design entdeckt. Der indianische Schmuckdesigner Charles Lonoma, von dem sie ein erstes Collier kauft, bringt sie zu der American Indian Art.

Es ist abzusehen, da├č die Sammlung, die immer umfangreicher wird, nach einer neuen Pr├Ąsentation ruft. Es w├Ąchst der Wunsch nach einem Haus, in dem die Architektur, die Sammlung, die Natur und nat├╝rlich das Familienleben einen umfassenden Rahmen finden w├╝rde.

├ťberraschender Weise fand sich Richard Meier als kongenialer Part f├╝r die Umsetzung dieses Wunsches. Richard Meier, ein weltweit renommierter Architekt und seit den Kindertagen ein enger Freund von Lou Grotta, entwirft ein Haus, das einer Skulptur gleicht. Hier findet die Sammlung ihren Platz, allerdings nicht so wie man es sich vielleicht vorstellt, jedes Teil an seinem Platz, wo es dann f├╝r immer und ewig stehen wird. Nein, es ist eine lebendige Sammlung, die immer wieder neu arrangiert und miteinader verkn├╝pft wird, die die Architektur und die Natur mit einbezieht. 1989 sind die Grottas in dieses Haus eingezogen, ├änderungen am Haus selbst hat es so gut wie nie gegeben.

Das Buch beinhaltet nicht nur ein Interview mit dem Ehepaar, sondern auch sehr interessante Beitr├Ąge vom Architekten Richard Meier, der darauf hinweist, wie wichtig die Integration von Architektur, Sammlung und Leben bei dieser Planung war. Gleichzeitig verweist er auf die Bedeutung des Lichtes f├╝r die Architektur im Allgemeinen und bei diesem Haus im Besonderen. Es handelt sich um ein sehr klares Konzept, es ist auf einem Raster aufgebaut, was sich durch die
gesamte Architektur zieht. Durch eine Vielzahl an Fenstern wird das Licht in das Haus und in jedes Zimmer geholt. Dadurch erhalten die Sammlerst├╝cke immer wieder neue Auftritte, l├Ą├čt sie immerwieder in einem anderen Licht erscheinen. Phantastisch.



The Grotta Home by Richard Meier
A Marriage of Architecture and Craft



Jack Lenor Larsen, ├╝ber den ich an dieser Stelle auch schon berichtet habe, bezeichnet die Sammlung als die beste weltweit. Kein Museum kann mit dieser Sammlung konkurrieren. Auch er bezeichnet das Haus als sehr organisch in Konzept und Grundri├č.



The Grotta Home by Richard Meier
A Marriage of Architecture and Craft



Weitere Beitr├Ąge folgen, so auch von der amerikanischen Autorin Glenn Adamson. Sie macht deutlich, wie gut der Bauhausgedanke, auch das Industriedesign und die Unikatobjekte eine Symbiose eingehen. Sie betont, das die geometrische Architektur den Objekten einen guten Rahmen gibt, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie ist auch begeistert, da├č diese Objekte integrativer Bestandteil des Lebens sind.



The Grotta Home by Richard Meier
A Marriage of Architecture and Craft


Es kommen K├╝nstler zu Wort, die ihre Beziehung zu den Sammlern deutlich machen. Dazu geh├Ârt Sheila Hicks, ├╝ber die ich auch schon berichtet habe, John Mc Queen, Edgar und Joyce Anderson, Matthew Drutt, Wendy Ramshaw und David Watkins. In diesen Texten wird deutlich, da├č die oft lebenslange Freundschaft zu den K├╝nstlern, das Verfolgen ihrer gestalterischen Entwicklung wichtiger war als eine wie auch immer definierte vollkommene Sammlung. Pers├Ânlicher Geschmack, intellektuelle Neugier und Freundschaft sind die ausgewiesenen Eckpfeiler. Ich denke, man sieht hier eine Symbiose, die sicher nicht einmalig, aber etwas ganz Besonderes ist.



The Grotta Home by Richard Meier
A Marriage of Architecture and Craft


Ich habe in diesem Buch K├╝nstler wiederentdeckt, die mir durch B├╝cher aus den achtziger Jahren schon visuell von ihren Arbeiten her bekannt waren, auf die ich nun noch einmal intensiver gesto├čen bin. Es w├Ąre sch├Ân, wenn ich Ihnen nach und nach herausragende K├╝nstler aus dem Bereich des Art and Craft und der Schmuckkunst vorstellen kann.



The Grotta Home by Richard Meier A Marriage of Architecture and Craft



Diese wunderbare Symbiose wird meisterhaft vom Sohn des Ehepaars, Tom Grotta, fotografiert und im Buch pr├Ąsentiert. Tom Grotta zeigt seit Ende der achtziger Jahre gemeinsam mit seiner Frau in der Galerie Browngrotta herausragende Fiberart. Dar├╝ber zu berichten,bedarf es eines weiteren Beitrags.


THE GROTTA HOME   Tom Grotta (Hg.)

THE GROTTA HOME BY RICHARD MEIER
A Marriage of Architecture and Craft

Mit Beitr├Ągen von Glenn Adamson, Matthew Drutt, Sheila Hicks, Joseph Giovannini, Louis Grotta, Jack Lenor Larsen John McQueen, Richard Meier, Wendy Ramshaw und David Watkins sowie mit Fotografien von Tom Grotta

336 Seiten  28 x 30 cm, 232 Abb
Hardcover,
Englisch
ISBN 978-3-89790-568-9

Arnoldsche Art Publishers

Alle Rechte der ver├Âffentlichen Fotos liegen bei Tom Grotta, mit freundlicher Genehmigung des Verlags

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Hier finden den Weg zu den neuesten Ausstellungsberichten von Gudrun Heinz. Es lohnt sich.