Das Warten hat sich gelohnt

Ausstellungen, meine Werke



Ich kann mich noch gut erinnern, wann ich zum ersten Mal an einem Wettbewerb teilgenommen habe. Ich muß so etwa 12 Jahre alt gewesen sein. In einer Zeitschrift gab es eine Ausschreibung fĂŒr Kinder aus einer Fotografie einer Tafel Schokolade ein Bild zu entwickeln. Man konnte das Bild zerschneiden, kleben, ĂŒbermalen, in ein gezeichnetes oder gemaltes Bild integrieren. Es gab also ganz viele Möglichkeiten, ja und ich weiß noch, daß es mir richtig viel Spaß gemacht hat. Ich habe meine Ergebnis allerdings nicht weggeschickt, weil ich meine Eltern nach dem Porto hĂ€tte fragen mĂŒssen und das habe ich mich nicht getraut, weil ich doch eigentlich in der Zeit hĂ€tte lernen sollen.

Es war nicht so viel spĂ€ter, ich meine mit 14 Jahren, da habe ich an einem Wettbewerb der Stadt Essen teilgenommen. Ich weiß nicht mehr, worum es ging, aber man sollte auch ein Bild anfertigen. Das habe ich getan – kann mich aber nicht mehr an das Ergebnis erinnern – und ich habe es auch eingereicht. Ja, und ich habe einen Preis gewonnen: die Eintrittskarte zu dem Musical Kiss me Kate in den Essener Saalbau. Das fand ich schon richtig stark.

Auch heute nehme ich gerne an Wettbewerben teil. Ich mache mich immer wieder schlau, welche Wettbewerbe wohl zu mir und meinen Arbeiten passen. Ich beschrÀnke meine Auswahl nicht nur auf den Bereich Texil- oder Papierkunst. Ich schaue im Bereich Kunst und hier auch unter Skulptur, Objekt und Installation. 

In der Regel bewerbe ich mich mit bereits fertigen Arbeiten. In den AnfĂ€ngen habe ich fĂŒr solche Ausschreibungen direkt gearbeitet. Das war aber keine gute Idee, denn es wurde in der Regel sehr verkrampft und brachte meine Arbeit auch nicht voran. Also habe ich irgendwann fĂŒr mich entschieden, daß es eine fertige Arbeit sein soll. Darum liebe ich auch Ausschreibungen, die kein Thema haben so wie die Quilttriennale in Heidelberg.

Es ist immer wieder eine Herausforderung, sich selbst und seine Arbeiten in Augenschein zu nehmen, zu hinterfragen, wie gut diese Werke sind und ob sie den nationalen oder internationalen AnsprĂŒchen wohl genĂŒgen könnten. Dazu schaue ich mir auch Bilder und Kataloge aus vorangegangenen Wettbewerben an.

Dann wird alles zusammengestellt, gute Fotos mĂŒssen her, die Vita wird ĂŒberarbeitet, Text zum VerstĂ€ndnis des Werks wird formuliert, alles wird verschickt und dann heißt es warten… und warten… und warten. Ja und dann kommt die Entscheidung, in der Regel per Email und ich kann mich ĂŒber eine Zusage freuen oder auch nicht… 

Die Freude war besonders groß im Jahr 2001. Da erhielt ich am Nikolaustag die Nachricht, daß meine Arbeit El Dorado fĂŒr die Sammlung des Museums of Arts and Design in New York ausgewĂ€hlt worden war. Ich kann mich noch gut erinnern, daß ich erst wenige Wochen meine Emailadresse ĂŒberhaupt hatte… Die erste Reaktion war Riesenfreude und die zweite, nun nicht ĂŒberschnappen, sondern in Ruhe weiterarbeiten und in der Entwicklung vorangehen.






El Dorado, die Suche nach dem Gold, habe ich den dreiteiligen Quilt genannt. Er ist von Hand und mit Maschine gearbeitet.  Die Arbeit ist 124 x 140 cm groß. Ein altes Seidenkleid, weitere Seidenreste, Filz, Brokatstoff, Perlen und Stickgarne habe ich eingesetzt. Er wurde von Hand und mit der Maschine gearbeitet. Die Bodenfliesen in der Mitte habe ich aus Seide ĂŒber Papier von Hand genĂ€ht. FĂŒr die Maschine wĂ€re die Seide zu zerbrechlich gewesen.
Gezeigt wurde er in der Ausstellung “ Six Continents of Quilt“ sowohl im genannten Museum als auch an mehreren Ausstellungsorten in Taiwan.

Im Katalog war folgender Text zu meiner Arbeit zu finden:

Die OberflĂ€che eines Quilts zeigt die Hand der Herstellerin wie kaum ein anderes Medium und zieht den Betrachter ganz nah an sich heran, um die erstaunliche technische VirtuositĂ€t und den Detailreichtum zu wĂŒrdigen. Mit komplexen Schichtungen, Siebdruck und Handstichen, die so ausgeprĂ€gt sind wie die Pinselstriche eines Malers, erforschen QuiltkĂŒnstler die OberflĂ€chenstrukturen und physikalischen Eigenschaften von Textilien wie Seide und Sackleinen.
Die Freude an der Sinnlichkeit der Materialien zeigt sich bei der deutschen KĂŒnstlerin Gabi Mett in einer FĂŒlle von Seiden, TĂŒll, Brokat und Perlen handgepatcht und mit Applikation und Stickerei ergĂ€nzt.

 (Katalog zur Ausstellung, Seite 21, ĂŒbersetzt)


Bei der Freude am Material ist es bis heute geblieben.  So auch bei dem Quilt, der in diesem Jahr ausgewĂ€hlt wurde fĂŒr:






Der traditionsreiche Wettbewerb, den die Landesregierung NRW alle zwei Jahre ausschreibt, gehört mit insgesamt 60.000 Euro Preisgeld zu den höchst dotierten und qualitativ hochwertigsten Wettbewerben seiner Art in Deutschland. Man bewirbt sich mit einer Arbeit, entscheidet auch, in welchem Bereich man sich sieht. Anhand der eingereichten Fotos wird eine erste Auswahl getroffen. Dann muss die Arbeit an entsprechendem Ort abgegeben werden und dann findet eine zweite Auswahl statt, d.h. es kann passieren, daß man hier noch aus dem Rennen geht.

Nach 2017 bin ich nun abermals ausgewÀhlt worden.






AusgrabungsstÀtte, so habe ich diese Arbeit genannt.

Dieser Quilt ist der dritte aus einer Serie von drei großen Wandquilts. Diese und eine Reihe weiterer Arbeiten, so auch der eingereichte Quilt aus dem Jahr 2017 mit dem Titel Kultplatz, den Sie weiter unten sehen, befassen sich mit dem Thema Kult und Kultur seit Beginn der menschlichen Entwicklung. Inspiration erhalte ich sowohl durch das Studieren textiler Ausdrucksweisen indigener Völker als auch durch alte Textilien, insbesondere gebrauchte Leinenstoffe, die ich durch Schreiben und Sticken neu interpretiere. Ich erforsche die imaginĂ€ren Geschichten, die in diesen Textilien stecken und transformiere sie in neue Bildwelten. Meine eigene kĂŒnstlerische Vergangenheit – das Arbeiten von kleinen Amuletten aus Stofffragmenten – wird in diesem Werk zur neuen Bildidee, die wiederum frei interpretiert einen imaginĂ€ren Kultplatz freilegt.

Handgearbeitete Elemente aus Textilresten habe ich gescannt und diese Scans mit einem Grafikprogramm bearbeitet. Eine der Grafiken habe ich stark vergrĂ¶ĂŸert und auf Baumwollstoff drucken lassen. Den Druck habe ich mit TĂŒll, Wischgaze, weiteren Stoffen sowie den gestickten Elementen ausgearbeitet und differenziert. Ich habe Vlies und RĂŒckseite ergĂ€nzt, gequiltet, und die OberflĂ€che weiter bestickt, u.a. mit Perlen. Dieser Quilt ist ausschließlich von Hand gearbeitet. Hier sehen Sie Details.
















Dies ist die Arbeit Kultplatz, die 2017 fĂŒr diesen Wettbewerb ausgewĂ€hlt wurde. Sie ist mit der Maschine gequiltet und von Hand mit Wolle bestickt.






Ich hoffe, daß die Ausstellung zu gegebenem Zeitpunkt eröffnet und auch fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich sein wird. Am 10. April ist der Startpunkt und am 24. April wird in einer Feierstunde der Staatspreis in den einzelnen Gruppen vergeben.


Damit aber noch nicht genug. Auch die kleinen Dinge bekommen einen Auftritt. In der Ukraine wurde die zweite Micro Textile Art Exhibition „Scythia“ ausgeschrieben. Diese Arbeiten dĂŒrfen nicht grĂ¶ĂŸer sein als 5 x 5 x 5cm. Und da habe ich meine magischen Pflanzen eingereicht und sie sind genommen worden. Schön.

 



Ich mag den Kontrast von glÀnzenden Perlen und dem rauhen Sisalgarn. Dieses kleine Objekt geht bald auf die Reise.


Nun warte ich noch auf einen dritten Bescheid. Dazu vielleicht mehr in einigen Wochen…