Von den Ideen im Kopf

Gedanken zur Kunst
Flexible Skulptur

Immer wieder aufs Neue werde ich gefragt: Wie entstehen Deine Bilder, Objekte, Installationen?

Und dann versuche ich es zu erklĂ€ren und merke doch immer wieder, dass es eigentlich nicht möglich ist, dieses PhĂ€nomen zu erklĂ€ren. Es ist immer nur eine AnnĂ€herung an meinen Prozeß. Soll ich es hier an der Stelle noch einmal probieren?

Nun, ich habe natĂŒrlich 40 Jahre Erfahrung, eigentlich noch mehr, denn mit Malen und Zeichnen habe ich bereits in der Kindheit begonnen mit einem Stift und einem begrenzten Papiervorrat. Die Schultafel fand ich toll, denn da konnte man immer wieder neu beginnen, die Resourcen waren unerschöpflich, aber auch zeitlich begrenzt. Und was lange Zeit unter dem Stichwort Basteln lief, war die Auseinandersetzung mit Material, vor allen Dingen mit Material, das mir nur in geringen Mengen zur VerfĂŒgung stand.

Ich habe das bildnerische Denken geĂŒbt , immer und immer wieder. (Paul Klee hat diesen Begriff geprĂ€gt) Ich habe trainiert, Bilder zu sehen, zuzulassen. Ich habe geĂŒbt, sie in Material umzusetzen.

Manchmal denke ich, es ist so etwas wie ein Traum. Man hat die Bilder im Kopf wahrgenommen und versucht, sie RealitĂ€t werden zu lassen. So entstehen Innovationen, Revolutionen, VerĂ€nderungen auf vielen Gebieten. Wenn ich also z.B. eine neue Installation plane, ist es gut, wenn ich den Raum kenne. Ich stelle mir ihn immer wieder vor, schaue ihn mir gedanklich von allen Seiten an, beobachte das Licht, die Möglichkeiten der Interaktion, suche nach einem Thema, das ich mit diesem Raum erzĂ€hlen kann. Es entstehen neue Bilder im Kopf. Sie werden wieder und wieder ĂŒberprĂŒft, sie werden so konkret wie möglich gedacht. Rundherum werden natĂŒrlich noch Ideen, Worte, SĂ€tze, Texte, Bilder und vieles andere mehr gesammelt, notiert, gedacht, geschrieben. Und dann, den Zeitpunkt kann ich nicht voraussehen, stĂŒrmt es aus mir heraus. Es will getan werden. Mal fĂ€llt es sehr leicht, mal stellt sich dieser Weg sehr schwierig dar. Trotzdem lasse ich aus der FĂŒlle von EindrĂŒcken spontan meine Installation, mein Objekt, meine Bild entstehen. Ich gehe ein Risiko ein. Die Arbeit kann ins Stocken kommen, sie kann zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis fĂŒhren, sie wird nicht ĂŒberzeugend. Aber an den WiderstĂ€nden wachse ich. Ich kĂ€mpfe, formuliere neu. Lasse das Werk links liegen, beginne von neuem oder mache erst einmal etwas ganz anderes. Ich glaube aber immer daran, dass ich eine Lösung finde. Ich bin mir sicher in der Unsicherheit.

David Cronenberg hat in einem Artikel zu seiner Arbeit als Regisseur einmal gesagt:

Kunst ist eine einzigartige Leistung, die vielleicht kein anderes Wesen im Universum beherrscht. Deshalb sollte Kunst uns Menschen mehr miteinander verbinden als alles andere.

(Zeitmagazin Leben, Seite 35, Jahrgang?)

In diesem Sinne hoffe ich, gute Verbindungen zu schaffen.

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Hier noch ein Hinweis auf diese Miniartextil in Como, die am 28.9.2019 eröffnet wird.