Ich habe Ihnen versprochen, weitere StĂŒcke meiner kleinen Sammlung aus LĂ€ndern dieser Welt vorzustellen. Ich finde es sehr interessant, wie diese Leidenschaft fĂŒr die UrsprĂŒnge unserer Menschheit bei mir im Laufe der Jahrzehnte immer mehr an Interesse gewonnen hat.
Ausgangspunkt war und sind immer die Textilien, das Material und die textilen und nichttextilen Techniken, die der Gestaltung dienten. Ich bin ein groĂer AnhĂ€nger guter Handwerkskunst und ĂŒberzeugender Kunst. In den Bereichen des Kultes wird beides kongenial miteinander verbunden. Die besten Handwerker – oft war es eine Familie, die immer wieder neue herausragende Kunst-Handwerker hervorbrachte – wurden von den Gemeinschaften, denen sie angehörten, materiell und ideell unterstĂŒtzt, damit sie ihr Können fĂŒr die Anbetung und Beschwörung der Götter und Gottheiten voll einsetzen konnten. Sie wurden sozusagen freigestellt. Man versorgte sie mit allem was nötig war, damit sie sich alleine auf diese eine Aufgabe konzentrieren konnten. Man muss sich ĂŒberlegen als wie immens wichtig diese Aufgaben angesehen wurden. Man konnte zu diesen Zeiten Essen und Trinken ja noch nicht im Supermarkt nebenan kaufen, sondern es forderte einen hohen Einsatz an Arbeit, entweder als JĂ€ger und Sammler oder als “ Bauer“ damit diese Personen versorgt wurden. Je hochentwickelter eine Kultur, desto mehr Menschen mussten andere versorgen, damit diese die heute noch faszinierenden KulturgĂŒter herstellen konnten. Welchen Stellenwert die KultgegenstĂ€nde aber auch KultplĂ€tze, Tempel und vieles andere mehr hatten lĂ€Ăt sich alleine schon aus dieser Ăberlegung ableiten.
Ich glaube, das ist fĂŒr uns heute nicht mehr vorstellbar. Vielleicht bin in auch deshalb so fasziniert von frĂŒhen Kulturen, weil sie meiner Meinung nach eine Dimension besitzen, die wir heute nicht mehr so ohne weiteres wahrnehmen. Ich möchte sie als spirituelle Dimension bezeichnen. Ich denke, sie ist uns verloren gegangen und kann auch nicht durch selbsternannte Schamanen, HeilerInnen, sogenannte spirituelle FĂŒhrerInnen einfach zu neuem Leben erweckt werden. Die Suche muss tiefer gehen, darf nicht an der OberflĂ€che bleiben. Vielleicht ist das eine Aufgabe fĂŒr die nĂ€chsten Jahrzehnte, diese Verbindung wieder herzustellen.
Nun aber zu dieser kleinen Figur. Sie ist zu Weihnachten in unser Heim eingezogen.

Die Expertise gibt folgende Auskunft:
Namchi/Fahli, Kamerun.
Das schöne farbenfrohe Exponat kommt von den Dowayo, die eine sehr kleine Volksgruppe im westlichen bergigen Kamerun bilden. Wie der Sammler betonte, leben sie genau zwischen Garoua und Kontcha an der Grenze zu Nigeria. Sie sind einzig durch ihre schönen puppenartigen Kunstwerke bekannt geworden, die mit Kaurischnecken und alten PerlenschnĂŒren abstrakt konzipiert sind. Weitergehend dienten sie als GlĂŒckssymbole und Fruchtbarkeitsdarstellung.
So haben solche Figuren eine hohen kulturellen Wert.
Sie steht nun auf meiner Fensterbank, wo ich sie jeden Morgen begrĂŒĂe.